Welche Versicherungen braucht man für ein Auto? Ratgeber 2026

Chien Nguyen Van 08/01/2026

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    Die Kfz-Haftpflichtversicherung ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben – ohne sie wird kein Fahrzeug zugelassen[1]. Zusätzlich können Sie Teil- oder Vollkasko abschließen, um auch Schäden am eigenen Fahrzeug abzudecken. Der Haken: Viele verwechseln die Pflichtversicherung mit dem Gesamtpaket, das sie eigentlich brauchen.

    Die drei Säulen der Kfz-Versicherung

    Das deutsche System teilt sich in drei Bereiche, die aufeinander aufbauen. Jeder deckt unterschiedliche Risiken ab – und kostet entsprechend mehr oder weniger.

    VersicherungsartPflicht?Was ist versichert?Typische Kosten
    Kfz-HaftpflichtJaSchäden, die Sie anderen zufügenAb 150 €/Jahr
    TeilkaskoNeinDiebstahl, Glasbruch, Wildunfall, NaturgewaltenAb 80 €/Jahr zusätzlich
    VollkaskoNeinAlle Teilkasko-Leistungen plus selbstverschuldete Unfälle, VandalismusAb 200 €/Jahr zusätzlich

    Kfz-Haftpflicht übernimmt Heilkosten, Verdienstausfall, Schmerzensgeld und Sachschäden bei Personen, die Sie mit Ihrem Fahrzeug geschädigt haben[1]. Die gesetzliche Mindestdeckungssumme liegt bei 7,5 Millionen Euro für Personenschäden[2]. Die Verbraucherzentrale empfiehlt allerdings Tarife mit 100 Millionen Euro Deckung – denn schwere Unfälle mit mehreren Verletzten sprengen schnell niedrigere Grenzen[1].

    Teilkasko springt ein bei Schäden, die Sie nicht selbst verursacht haben: Unwetter fegt einen Ast auf die Motorhaube, ein Marder zernagt die Kabel, ein Reh springt vors Auto. Was sie nicht zahlt: wenn Sie selbst den Schaden anrichten[3].

    Vollkasko ist die Rundum-Absicherung. Sie umfasst alle Teilkasko-Leistungen und übernimmt zusätzlich selbstverschuldete Unfallschäden sowie Vandalismus[4]. Bei Leasing- und Finanzierungsfahrzeugen verlangen die Banken sie ohnehin.

    Die eVB-Nummer – ohne sie läuft nichts

    Bevor Sie ein Auto zulassen können, brauchen Sie die elektronische Versicherungsbestätigung (eVB). Das ist ein siebenstelliger Code, den Sie nach Abschluss einer Kfz-Haftpflicht erhalten[5]. Die ersten beiden Zeichen identifizieren den Versicherer, die restlichen fünf werden zufällig generiert[6].

    So funktioniert der Ablauf

    1. Sie schließen online oder beim Makler eine Kfz-Haftpflicht ab
    2. Der Versicherer generiert die eVB und übermittelt Ihre Daten an eine zentrale Datenbank
    3. Sie erhalten die Nummer per E-Mail oder SMS – bei den meisten Anbietern sofort[5]
    4. Die Zulassungsstelle greift über das Kraftfahrt-Bundesamt auf diese Daten zu[6]
    5. Erst mit gültiger eVB bekommen Sie Ihre Kennzeichen

    Ohne diese Nummer geht bei der Zulassungsstelle gar nichts. Das Pflichtversicherungsgesetz von 1965 schreibt den Haftpflichtschutz für jeden Halter vor[7].

    Welche Daten braucht die Versicherung?

    Die Versicherung benötigt bei Vertragsabschluss eine Reihe von Informationen, um das Risiko einzuschätzen und den Beitrag zu berechnen. Was das Datenblatt Ihnen nicht verrät: Manche Angaben senken den Beitrag erheblich, andere treiben ihn in die Höhe.

    Pflichtangaben bei Vertragsabschluss

    • Fahrzeugdaten: Hersteller, Modell, Erstzulassung, Fahrgestellnummer (FIN)
    • Halterinformationen: Name, Adresse, Geburtsdatum
    • Nutzungsprofil: Jährliche Fahrleistung, Stellplatz (Garage oder Straße)
    • Schadenfreiheitsklasse (SF-Klasse): Je länger unfallfrei, desto günstiger[8]
    • Fahrerkreis: Wer fährt das Auto regelmäßig?

    Während meiner Recherche für diesen Artikel fiel mir auf: Viele unterschätzen, wie stark die Typklasse den Beitrag beeinflusst. Die Versicherung ordnet jedes Auto in eine Typklasse ein – basierend auf der Schadenshäufigkeit dieses Modells[8]. Ein Golf VII kostet in der Haftpflicht weniger als ein BMW M3, weil statistisch weniger Schäden gemeldet werden.

    Steinschlag melden: welche Daten braucht die Versicherung?

    Steinschlag fällt unter die Teilkasko – und die gute Nachricht: Bei vielen Versicherern wird die Reparatur ohne Selbstbeteiligung übernommen[9]. Aber Sie müssen den Schaden melden, bevor Sie in die Werkstatt fahren.

    Diese Informationen bereithalten

    • Versicherungsnummer
    • Amtliches Kennzeichen des Fahrzeugs
    • Datum und ungefähre Uhrzeit des Vorfalls
    • Genaue Beschreibung des Schadens (Größe, Position auf der Scheibe)
    • Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln[9]
    • Falls vorhanden: Zeugenaussagen[10]

    Die Meldung erfolgt per E-Mail, telefonisch oder über das Online-Portal des Versicherers[9]. Hier ist die Sache: Ein nicht gemeldeter Steinschlag kann sich zu einem größeren Riss entwickeln – dann wird aus der kostenlosen Reparatur schnell ein teurer Scheibentausch[10]. Und wenn Sie den ursprünglichen Schaden nicht gemeldet haben, könnte das Probleme bei der Kostenübernahme verursachen.

    Gebrauchtwagen mit günstiger Versicherung

    Wer beim Gebrauchtwagenkauf auf die Versicherungskosten achtet, kann mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen. Die Typklasse ist dabei der entscheidende Faktor.

    Günstige Fahrzeugtypen

    Kleinwagen und Kompaktwagen liegen in der Regel in niedrigen Typklassen. Modelle wie der VW Up!, Skoda Fabia oder Renault Clio sind bei Versicherern beliebt, weil sie statistisch weniger schwere Unfälle verursachen. Im Vergleich: Ein Basismodell des VW Up! kann laut Verivox-Vergleich ab etwa 275 Euro pro Jahr (Haftpflicht plus Vollkasko) versichert werden[11].

    Faktoren, die den Beitrag senken

    Überlassen Sie die Werkstattwahl dem Versicherer, sinkt die Prämie[12]. Wer eine höhere Selbstbeteiligung wählt – etwa 500 statt 150 Euro – spart ebenfalls. Und wer eine BahnCard oder ÖPNV-Jahreskarte besitzt, signalisiert dem Versicherer: „Ich fahre weniger.” Das belohnen viele Tarife mit Rabatten[12].

    Ein Gebrauchtwagen ab drei Jahren benötigt meist keine Vollkasko mehr – Teilkasko reicht dann, um die größten Risiken abzudecken[13]. Das spart noch einmal 100 bis 200 Euro im Jahr.

    Versicherung für Autovermietung: gewerblicher Schutz

    Wer Autos gewerblich vermietet, steht vor anderen Anforderungen als Privathalter. Die Frage, welche Versicherungen sinnvoll sind, beantwortet sich hier eindeutig: Haftpflicht ist Pflicht, Vollkasko praktisch unverzichtbar.

    Gesetzliche Anforderungen

    Nach dem Personenbeförderungsgesetz müssen gewerbliche Vermieter eine Kfz-Haftpflichtversicherung bei einem in Deutschland zugelassenen Versicherer abschließen[14]. Die Mindestdeckungssumme für Personenschäden beträgt 7,5 Millionen Euro[2].

    Besonderheiten bei der Mietwagenversicherung

    • Vollkasko ist Standard – ohne sie tragen Sie das volle Risiko bei Unfällen durch Mieter
    • GAP-Deckung empfiehlt sich bei Leasing: Sie schließt die Lücke zwischen Restwert und Restschuld[14]
    • Sondereinstufungen für Existenzgründer: Neue Mietwagen können mit SF-Klasse 1 starten (54% Haftpflicht, 64% Vollkasko)[14]
    • Selbstbeteiligung liegt bei gewerblichen Tarifen üblicherweise bei 1.000 Euro[15]

    Als Vermieter sollten Sie wissen: Schäden durch Mieter fallen unter die Vollkasko – nicht unter die Haftpflicht. Denn rechtlich gesehen ist der Mieter der Fahrer, nicht ein Dritter. Dieses Detail übersehen viele Einsteiger.

    Unfall: welche Informationen braucht die Versicherung?

    Bei einem Autounfall zählt schnelles, strukturiertes Handeln. Die Versicherung braucht präzise Angaben, um den Schaden zu regulieren – und um festzustellen, wer zahlt.

    Sofort am Unfallort dokumentieren

    • Fotos der Fahrzeugpositionen (bevor sie bewegt werden)
    • Austausch der Versicherungsdaten mit allen Beteiligten
    • Kennzeichen, Versicherungsschein-Nummer, Name und Anschrift des anderen Fahrers
    • Bei Verletzten: Polizei rufen (110)

    Bei der Schadensmeldung angeben

    • Unfallhergang in eigenen Worten
    • Datum, Uhrzeit, genauer Ort (Straßenname, Kreuzung)
    • Skizze der Fahrzeugpositionen
    • Namen und Kontaktdaten von Zeugen
    • Polizeiaktenzeichen (falls Polizei vor Ort war)
    • Fotos der Schäden an allen beteiligten Fahrzeugen

    Ein Europäischer Unfallbericht – den Sie im Handschuhfach haben sollten – strukturiert diese Angaben vor und wird von beiden Parteien unterschrieben. Bei der Verbraucherzentrale können Sie ihn kostenlos herunterladen.

    Wichtigste Erkenntnisse

    • Kfz-Haftpflicht ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben – ohne sie keine Zulassung[1]
    • Die eVB-Nummer erhalten Sie nach Vertragsabschluss und ist Voraussetzung für die Zulassung[5]
    • Steinschlag melden Sie der Teilkasko vor dem Werkstattbesuch – Fotos und genaue Beschreibung bereithalten[9]
    • Gebrauchtwagen in niedrigen Typklassen sparen bei der Versicherung mehrere Hundert Euro jährlich[8]
    • Gewerbliche Autovermieter benötigen zwingend Haftpflicht, Vollkasko ist dringend empfohlen[14]
    • Bei Unfällen zählen präzise Dokumentation und schnelle Meldung – ein Europäischer Unfallbericht hilft

    Häufige Fragen (FAQs)

    Welche Nummer braucht die Versicherung vom Auto?

    Die Versicherung benötigt für den Vertragsabschluss die Fahrzeug-Identifikationsnummer (FIN), auch als Fahrgestellnummer bekannt. Diese 17-stellige Nummer finden Sie im Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I) unter Feld E sowie auf einem Schild im Motorraum oder an der Fahrertür[5]. Für die Zulassung selbst brauchen Sie dann die eVB-Nummer – den siebenstelligen Code, der Ihren Haftpflichtschutz nachweist[6].

    Reicht die Kfz-Haftpflicht für ein Alltagsauto aus?

    Für ältere Fahrzeuge mit geringem Restwert kann reine Haftpflicht ausreichen. Der finanzielle Totalschaden eines 15 Jahre alten Kleinwagens tut weniger weh als der eines Neuwagens. Aber hier ist die Sache: Glasbruch, Marderbiss und Diebstahl deckt nur die Teilkasko ab. Wer in einer Großstadt parkt oder viel auf Landstraßen fährt (Wildunfallgefahr), sollte zumindest Teilkasko einkalkulieren[3].

    Was kostet die Kfz-Versicherung für einen Fahranfänger?

    Fahranfänger starten in der ungünstigen Schadenfreiheitsklasse 0 oder ½ – das bedeutet 100 bis 230 Prozent des Grundbeitrags. Konkret: Wo ein erfahrener Fahrer mit SF-Klasse 20 nur 300 Euro zahlt, landen Anfänger schnell bei 900 bis 1.200 Euro für dasselbe Auto[8]. Ein Ausweg: das Auto auf die Eltern zulassen und sich als Zweitfahrer eintragen lassen. Oder einen Versicherer wählen, der Anfängerrabatte bei begleitetem Fahren (BF17) anbietet.

    Zahlt die Versicherung bei Fahrerflucht?

    Die eigene Vollkasko zahlt Schäden am eigenen Fahrzeug bei Fahrerflucht des Verursachers – auch wenn dieser nicht ermittelt werden kann[4]. Die Haftpflichtversicherung greift hier nicht, weil kein Dritter haftbar gemacht werden kann. Wer nur Haftpflicht hat, bleibt auf dem Schaden sitzen. Ein starkes Argument für Vollkasko, besonders wenn das Auto viel auf öffentlichen Parkplätzen steht.

    Brauche ich eine Versicherung für ein Elektroauto oder Hybrid?

    Ja – die Pflicht zur Kfz-Haftpflicht gilt für alle motorisierten Fahrzeuge, unabhängig vom Antrieb[7]. Für Hybrid- und Elektroautos empfehlen Experten allerdings eine Vollkasko mit erweiterter Akkudeckung. Die HUK24 etwa versichert Schäden am Antriebs-Akku bis 20.000 Euro zusätzlich[4]. Ein Batterietausch beim E-Auto kann schnell 10.000 Euro kosten – ohne diese Deckung zahlen Sie das selbst.

    Quellen

    1. Verbraucherzentrale. (2025). Kfz-Versicherung: Pflicht für alle Halter:innen. https://www.verbraucherzentrale.de
    2. Schweine.net. (2024). Neue Versicherungspflicht 2025. https://www.schweine.net
    3. Württembergische. (2025). Unterschied Vollkasko, Teilkasko & Kfz-Haftpflicht. https://www.wuerttembergische.de
    4. HUK. (2025). Teilkasko, Vollkasko, Kfz-Haftpflicht – der Unterschied. https://www.huk.de
    5. BavariaDirekt. (2025). eVB Nummer – elektronische Versicherungsbestätigung. https://www.bavariadirekt.de
    6. ADAC. (2025). Die eVB-Nummer: Alle Infos zur Versicherungsbestätigung. https://www.adac.de
    7. Bußgeldkatalog. (2025). Pflichtversicherung in Deutschland. https://www.bussgeldkatalog.org
    8. CosmosDirekt. (2025). Günstige Autoversicherung online abschließen. https://www.cosmosdirekt.de
    9. Allianz. (2025). Steinschlag Teilkasko: Wer zahlt Glasschaden & Kosten. https://www.allianz.de
    10. KfzVersicherungsVergleich. (2024). So melden Sie einen Steinschlag der Versicherung.
      KFZ-Versicherungsvergleich
    11. Finanztip. (2025). Kfz-Versicherung Vergleich. https://www.finanztip.de
    12. Tarifcheck. (2025). Kfz-Versicherung Vergleich 2025. https://www.tarifcheck.de
    13. Verivox. (2025). Kfz-Versicherung für Gebrauchtwagen. https://www.verivox.de
    14. Taxiversicherungen Kapsch. (2024). Mietwagen Versicherung für gewerbliche Autovermietung. https://www.taxiversicherungen-kapsch.de
    15. Dittmeier. (2025). Mietwagenversicherung für Autovermietungen. https://www.dittmeier.de

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