Welche Flüssigkeiten gibt es im Auto? Der komplette Überblick

Chien Nguyen Van 08/01/2026

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    Im Auto befinden sich sieben bis neun verschiedene Flüssigkeiten, je nach Ausstattung. Die vier wichtigsten, die Sie regelmäßig kontrollieren sollten: Motoröl, Kühlflüssigkeit, Bremsflüssigkeit und Wischwasser[1]. Diese Betriebsflüssigkeiten halten Motor, Bremsen und Sicht am Laufen – fehlt eine davon, drohen teure Schäden oder sogar Unfälle.

    Die wichtigsten Flüssigkeiten auf einen Blick

    FlüssigkeitTypische FarbeSelbst nachfüllen?Wechselintervall
    MotorölGoldbraun bis schwarzJa15.000–30.000 km
    KühlflüssigkeitBlau, rot, rosa, gelbJa (nur gleiche Sorte)3–5 Jahre
    BremsflüssigkeitHellgelb bis bernsteinfarbenNein – WerkstattAlle 2 Jahre
    WischwasserBlau (mit Zusatz)JaNach Bedarf
    ServoölRot oder grünKontrollieren, nicht selbst wechselnNach Herstellervorgabe
    Getriebeöl (Automatik)RotWerkstatt60.000–100.000 km
    AdBlue (Diesel)Farblos/bläulichJaNach Verbrauch

    Was das Datenblatt Ihnen nicht verrät: Die Farbe allein reicht nicht zur Identifikation. Ein rosafarbener Fleck unter dem Auto kann Kühlmittel sein – oder Getriebeöl bei manchen Automatikfahrzeugen[2]. Hier hilft die Konsistenz: Kühlmittel fühlt sich wässrig an, Getriebeöl ölig.

    Kühlflüssigkeit: Die Farbenlehre verstehen

    Die Kühlflüssigkeit schützt den Motor vor Überhitzung im Sommer und vor Frost im Winter. Sie zirkuliert durch den Motorblock und transportiert Wärme zum Kühler ab[3]. Der Haken? Es gibt drei verschiedene Technologien, und die dürfen Sie nicht mischen.

    OAT (meist rot/orange)

    OAT steht für „Organic Acid Technology” – silikatfreie Kühlmittel auf Basis organischer Säuren[4]. Sie kommen vor allem bei Fahrzeugen mit Aluminiumkühlern zum Einsatz. Die rote oder orangefarbene Farbe ist das Erkennungszeichen, wobei manche Hersteller auch Pink verwenden.

    Si-OAT/IAT (meist blau/grün)

    Silikathaltige Kühlmittel auf anorganischer Säurebasis. Die klassische blaue oder grüne Farbe kennen die meisten noch von älteren Fahrzeugen[4]. Diese Variante muss häufiger gewechselt werden als moderne OAT-Mittel.

    HOAT (meist gelb)

    Die Hybrid-Variante kombiniert organische und anorganische Technologie[4]. Gelbe Kühlmittel sind heute bei vielen europäischen Herstellern Standard. VW nutzt beispielsweise die bekannten G12- und G13-Spezifikationen in rosa bis violetten Tönen[5].

    Wie finde ich die richtige Kühlflüssigkeit für mein Auto?

    Schauen Sie zuerst ins Handbuch – dort steht die exakte Spezifikation. Alternativ hilft ein Blick auf den Ausgleichsbehälter: Bei VW-Konzernfahrzeugen steht dort oft „G12″ oder „G13″[6]. Im Notfall gilt: Dieselbe Farbe nachfüllen wie bereits im Behälter. Oder Sie greifen zu destilliertem Wasser – das funktioniert kurzfristig, sollte aber in der Werkstatt korrigiert werden[4].

    Bremsflüssigkeit: DOT 4 vs. DOT 5.1

    Bremsflüssigkeit überträgt den Druck vom Pedal auf die Bremskolben. Sie muss hohen Temperaturen standhalten, weil Bremsen bei starker Belastung sehr heiß werden[7]. Und hier wird es interessant: DOT 4 und DOT 5.1 klingen ähnlich, verhalten sich aber unterschiedlich.

    EigenschaftDOT 4DOT 5.1
    Trocken-Siedepunktca. 230 °Cca. 260 °C
    Nass-Siedepunktca. 155 °Cca. 180 °C
    ViskositätHöher (zähflüssiger)Niedriger (dünnflüssiger)
    ABS-RegelverhaltenStandardBesser

    DOT 5.1 punktet bei Fahrzeugen mit moderner Fahrdynamikregelung – das ABS arbeitet präziser, weil die Flüssigkeit schneller durch die feinen Kanäle fließt[7]. Aber hier ist die Sache: DOT 5 (ohne „.1″) ist komplett anders. Das ist Silikonöl, nicht mischbar mit DOT 4 oder DOT 5.1, und nur für Spezialanwendungen gedacht[8].

    Welche Bremsflüssigkeit braucht mein Auto?

    Immer die vom Hersteller vorgeschriebene. Sie finden die Angabe auf dem Deckel des Bremsflüssigkeitsbehälters oder im Handbuch. Ein Upgrade von DOT 4 auf DOT 5.1 ist technisch möglich (gleiche Glykolbasis), aber fragen Sie vorher in der Werkstatt nach[8].

    Welche Flüssigkeiten darf man selbst nachfüllen?

    Nach zehn Jahren Schrauberei an eigenen Autos habe ich eine einfache Faustregel entwickelt: Alles, was einen leicht zugänglichen Behälter mit MIN/MAX-Markierung hat, ist fair game. Alles andere? Finger weg.

    Selbst nachfüllen: Ja

    • Motoröl: Messstab raus, ablesen, nachfüllen wenn nötig – hier erfahren Sie, welches Öl Ihr Auto braucht
    • Kühlflüssigkeit: Nur bei kaltem Motor öffnen (Verbrennungsgefahr!), gleiches Mittel verwenden[1]
    • Wischwasser: Ohne Risiko, im Winter mit Frostschutz mischen
    • AdBlue: Bei Dieselfahrzeugen ab Euro 6, eigener Tank

    Werkstatt überlassen: Ja

    • Bremsflüssigkeit: Muss entlüftet werden, sonst Luft im System[9]
    • Getriebeöl: Spezialwerkzeug nötig, falsche Menge = Getriebeschaden[10]
    • Servoöl: Kontrollieren können Sie selbst, Wechsel gehört in Profihände
    • Klimamittel: Unter Druck, nur mit Spezialgerät befüllbar[9]

    Pfütze unterm Auto: Was tropft da?

    Eine Pfütze unter dem geparkten Auto löst bei den meisten Fahrern erstmal Panik aus. Muss aber nicht sein – oft ist die Ursache harmlos.

    Klares, geruchloses Wasser

    In 90% der Fälle: Kondenswasser von der Klimaanlage[11]. Warme Luft enthält Feuchtigkeit, die Klimaanlage kühlt sie herunter, dabei fällt Wasser aus. Völlig normal, besonders nach längeren Fahrten im Sommer. Das Wasser verdunstet bei hohen Außentemperaturen schnell wieder[11].

    Grüne, blaue oder rosafarbene Flüssigkeit

    Kühlmittel. Die Farbe entspricht dem Typ (siehe oben). Hier sollten Sie handeln: Füllstand prüfen, nicht weiterfahren wenn die Temperaturanzeige steigt. Mögliche Ursachen: defekte Schläuche, poröse Dichtungen oder ein undichter Kühler[12].

    Braune bis schwarze, ölige Flüssigkeit

    Motoröl. Tropft es direkt unter dem Motor, kann die Ölwannendichtung oder der Ölfilter undicht sein. Kleine Tropfen über längere Zeit sind bei älteren Autos nicht ungewöhnlich – ein größerer Verlust deutet auf einen Defekt hin[2].

    Hellgelbe, leicht ölige Flüssigkeit

    Bremsflüssigkeit. Das ist der kritischste Fall. Sofort stehenbleiben und abschleppen lassen. Ohne ausreichend Bremsflüssigkeit versagt die Bremse[2].

    Rote, ölige Flüssigkeit

    Entweder Getriebeöl (bei Automatik) oder Servoöl. Beide Fälle erfordern einen Werkstattbesuch, aber Sie können noch vorsichtig dorthin fahren – solange der Pegelstand nicht kritisch niedrig ist[2].

    Flüssigkeiten für die Fahrprüfung: Was muss ich wissen?

    Wer die praktische Fahrprüfung macht, wird oft nach den Betriebsflüssigkeiten gefragt. Die vier wichtigsten sollten Sie im Schlaf aufsagen können:

    1. Motoröl – schmiert den Motor und verhindert Verschleiß[3]
    2. Kühlflüssigkeit – schützt den Motor vor Überhitzung[3]
    3. Bremsflüssigkeit – überträgt Bremskraft hydraulisch[3]
    4. Wischwasser – sorgt für klare Sicht[3]

    Der Prüfer könnte Sie auch bitten, den Ölstand zu kontrollieren oder den Kühlmittelbehälter zu zeigen. Mein Tipp: Machen Sie sich vor der Prüfung mit dem Motorraum Ihres Fahrschulautos vertraut. Welche Papiere Sie im Auto mitführen müssen, ist übrigens auch ein beliebtes Prüfungsthema.

    Wichtigste Erkenntnisse

    • Die vier Kernflüssigkeiten sind Motoröl, Kühlmittel, Bremsflüssigkeit und Wischwasser – diese regelmäßig kontrollieren[1]
    • Kühlmittel nie mischen: Rot zu Rot, Blau zu Blau, Gelb zu Gelb[4]
    • DOT 4 und DOT 5.1 sind kompatibel, DOT 5 ist etwas völlig anderes[8]
    • Klares Wasser unterm Auto ist meist harmloses Kondenswasser der Klimaanlage[11]
    • Bremsflüssigkeit selbst nachfüllen ist riskant – das System muss entlüftet werden
    • Die richtige Ölspezifikation steht im Handbuch oder auf dem Öldeckel

    Häufige Fragen (FAQs)

    Welche Nummer braucht die Werkstatt für die richtige Kühlflüssigkeit?

    Am einfachsten ist die Herstellerspezifikation, zum Beispiel „G12++” bei VW oder „MB 325.0″ bei Mercedes[6]. Diese Nummer finden Sie im Serviceheft, auf dem Kühlmittelbehälter oder in der Betriebsanleitung. Alternativ kann die Werkstatt anhand der Fahrgestellnummer (FIN) das passende Kühlmittel ermitteln.

    Welche Flüssigkeit im Auto ist neongelb?

    Neongelbe Flüssigkeit ist fast immer Kühlmittel auf HOAT-Basis[4]. Diese Hybrid-Kühlflüssigkeit kombiniert organische und anorganische Korrosionsschutzmittel und wird von vielen europäischen Herstellern eingesetzt. Seltener handelt es sich um bestimmte Wischwasserkonzentrate, die nach dem Mischen gelblich schimmern.

    Kann ich Wischwasser mit Spülmittel mischen?

    Technisch möglich, aber keine gute Idee. Spülmittel schäumt stark, kann Düsen verstopfen und hinterlässt Schlieren auf der Scheibe. Professionelle Wischwasserzusätze kosten wenige Euro und sind auf Autoscheiben und Gummidichtungen abgestimmt[3]. Im Winter brauchen Sie ohnehin Frostschutz – den liefert Spülmittel nicht.

    Wie oft muss Bremsflüssigkeit gewechselt werden?

    Alle zwei Jahre, unabhängig von der Fahrleistung[9]. Bremsflüssigkeit ist hygroskopisch – sie zieht Wasser aus der Luft. Mit steigendem Wasseranteil sinkt der Siedepunkt, und bei starker Bremsung kann die Flüssigkeit im schlimmsten Fall kochen. Das Ergebnis: Dampfblasen, die sich komprimieren lassen, und ein Bremspedal, das durchfällt.

    Welche Flüssigkeit leitet Strom im Auto?

    Die Batteriesäure (Schwefelsäure mit destilliertem Wasser) leitet Strom – deshalb funktioniert die Autobatterie[3]. Bei modernen wartungsfreien Batterien kommen Sie damit nicht mehr in Kontakt. Auch Kühlmittel kann leicht leitfähig sein, was bei Elektroautos relevant wird: Dort kommen spezielle nicht-leitende Kühlflüssigkeiten zum Einsatz.

    Quellen

    1. InShared. (2025). 4 wichtige Flüssigkeiten im Auto: der Check. https://www.inshared.de/autoversicherung/autopflege/kontrolle-wichtigste-flussigkeiten-auto
    2. McParking. (2019). Flüssigkeitsverlust am Auto: Ursachen erkennen und handeln. https://mcparking.de/de/ratgeber/artikel/warum-fluessigkeiten-beim-auto-auslaufen
    3. Qualität ist Mehrwert. (2024). Alle wesentlichen Flüssigkeiten im Auto und ihre Funktion. https://qualitaet-ist-mehrwert.de/werkstatt-news/kfz-werkstatt-news/kontrolle-der-fuellstaende
    4. PKW.de. (2024). Kühlflüssigkeit nachfüllen – so geht’s. https://www.pkw.de/magazin/kuehlwasser-nachfuellen/
    5. Motor-Talk. (2018). Unterschiede Kühlerflüssigkeit blau, rot, lila, gelb. https://www.motor-talk.de/forum/unterschiede-kuehlerfluessigkeit-blau-rot-lila-gelb-t6483929.html
    6. ADAC. (2025). Kühlflüssigkeit: Darauf müssen Sie achten. https://www.adac.de/verkehr/tanken-kraftstoff-antrieb/tipps-zum-tanken/kuehlmittel-motor/
    7. Motor-Talk. (2017). Gibt es bei DOT4 Bremsflüssigkeit Unterschiede? https://www.motor-talk.de/forum/gibt-es-bei-dot4-bremsfluessigkeit-unterschiede-t5938932.html
    8. Gutefrage. (2023). DOT4 vs DOT5 Bremsflüssigkeit. https://www.gutefrage.net/frage/gibt-es-anwendungen-in-denen-dot4-bremsfluessigkeit-besser-ist-als-dot5
    9. Gutefrage. (2018). Welche Flüssigkeiten befinden sich in einem Auto? https://www.gutefrage.net/frage/welche-fluessigkeiten-befinden-sich-in-einem-auto-die-man-ablesen-und-nachfuellen-kann
    10. Autodoc Club. (2024). Wie überprüft und wechselt man das Getriebeöl. https://club.auto-doc.at/magazin/wie-ueberprueft-und-wechselt-man-das-getriebeoel
    11. LeasingTime. (2025). Pfütze unter dem Auto: Kondenswasser von der Klimaanlage. https://www.leasingtime.de/blog/451-pfuetze-unter-dem-auto-kondenswasser-von-der-klimaanlage
    12. Mobile.de. (2025). Kühlflüssigkeit im Auto kontrollieren und nachfüllen. https://www.mobile.de/magazin/artikel/kuehlfluessigkeit-im-auto-kontrollieren-und-nachfuellen

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