Der Katalysator wandelt giftige Abgase in ungiftige Stoffe um – konkret Kohlenmonoxid, Stickoxide und unverbrannte Kohlenwasserstoffe in Kohlendioxid, Stickstoff und Wasserdampf[1]. In Benzinern steckt fast immer ein Drei-Wege-Katalysator, in Dieselfahrzeugen ein Oxidationskatalysator plus SCR-System[2]. Im Fahrzeugbrief (Zulassungsbescheinigung Teil I) finden Sie den Katalysator-Typ indirekt über die Emissionsschlüsselnummer in Feld 14.1[3].
So funktioniert der Katalysator – die chemischen Basics
Ein Katalysator beschleunigt chemische Reaktionen, ohne dabei selbst verbraucht zu werden. Im Auto passiert das in einem wabenförmigen Keramikkörper mit Tausenden dünner Kanäle – beschichtet mit Edelmetallen wie Platin, Rhodium und Palladium[2].
Hier ist die Sache: Diese Edelmetalle sind der Grund, warum Katalysatoren so teuer sind. Und warum sie regelmäßig gestohlen werden. Die chemischen Reaktionen laufen in zwei Richtungen gleichzeitig ab – Oxidation und Reduktion.
Bei der Oxidation verbindet sich Kohlenmonoxid (CO) mit Sauerstoff zu Kohlendioxid (CO₂)[1]. Unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) werden zu Wasser und CO₂. Bei der Reduktion werden Stickoxide (NOₓ) in harmlosen Stickstoff und Sauerstoff aufgespalten[4]. Das Ergebnis? Bei optimaler Betriebstemperatur filtert der Kat bis zu 99 Prozent der Schadstoffe heraus[2].
Aber das klappt nur ab einer Mindesttemperatur von 250 bis 400 Grad. Während der Kaltlaufphase – typisch die ersten 2 bis 3 Kilometer – arbeitet der Kat kaum[2]. Darum sind häufige Kurzstrecken Gift für den Katalysator.
Welcher Katalysator wird im Auto verwendet?
Der Drei-Wege-Katalysator (G-Kat) – Standard bei Benzinern
Seit 1989 ist er in Deutschland Pflicht für Neuwagen mit Ottomotor[2]. Der Name verrät die Funktion: Drei Schadstoffarten werden gleichzeitig umgewandelt.
| Schadstoff | Wird zu | Chemischer Prozess |
|---|---|---|
| Kohlenmonoxid (CO) | Kohlendioxid (CO₂) | Oxidation |
| Kohlenwasserstoffe (HC) | Wasser + CO₂ | Oxidation |
| Stickoxide (NOₓ) | Stickstoff + Sauerstoff | Reduktion |
Quelle: Mein-Autolexikon, FairGarage[1][2]
Damit das funktioniert, muss das Luft-Kraftstoff-Gemisch exakt stimmen – im sogenannten Lambda-Fenster bei Lambda = 1[4]. Das regelt die Lambdasonde, die den Sauerstoffgehalt im Abgas misst und Rückmeldung ans Motorsteuergerät gibt. Ohne funktionierende Lambdasonde läuft der Kat nicht effizient. Welche Sensoren es im Auto gibt und wie sie zusammenarbeiten, ist ein eigenes Thema.
Oxidationskatalysator – bei Dieseln im Einsatz
Dieselmotoren laufen mit Luftüberschuss. Das macht einen klassischen Drei-Wege-Kat unmöglich, weil die Reduktion von Stickoxiden mehr Sauerstoff erfordert als vorhanden[5].
Die Lösung: Ein Oxidationskatalysator kümmert sich um CO und HC. Für die Stickoxide braucht es ein zusätzliches System – entweder einen NOₓ-Speicherkatalysator oder SCR (Selective Catalytic Reduction)[5].
SCR-Katalysator – warum Sie AdBlue tanken
SCR steht für Selective Catalytic Reduction. Das System spritzt eine wässrige Harnstofflösung (AdBlue) in den Abgasstrom ein[6]. Bei der Verdampfung entsteht Ammoniak, der die Stickoxide am SCR-Katalysator in Stickstoff und Wasser umwandelt.
Die Umwandlungsrate liegt bei bis zu 99 Prozent[6]. Was das Datenblatt nicht verrät: Bei Temperaturen unter 250 Grad funktioniert SCR schlecht. Im Winter und bei Kurzstrecken steigt der NOₓ-Ausstoß deutlich. Wer einen modernen Diesel fährt, kennt das Problem: Nach vielen Kurzstrecken meldet das Auto erhöhten Regenerationsbedarf.
Woran sieht man im Fahrzeugbrief welchen Katalysator das Auto hat?
Die Zulassungsbescheinigung Teil I (der alte „Fahrzeugschein”) enthält keine direkte Angabe zum Katalysator-Typ[3]. Aber Sie können ihn indirekt ermitteln.
Schritt 1: Emissionsschlüsselnummer finden
Suchen Sie Feld 14.1 – dort steht die Emissionsschlüsselnummer[3]. Diese vierstellige Nummer gibt Aufschluss über die Abgasnorm und damit indirekt über den verbauten Katalysator-Typ.
| Schlüsselnummer | Abgasnorm | Typischer Katalysator |
|---|---|---|
| 36xx | Euro 6d-TEMP | Drei-Wege-Kat (Benzin) oder DOC + SCR (Diesel) |
| 35xx | Euro 6d | Drei-Wege-Kat oder DOC + SCR |
| 32xx–34xx | Euro 6b/c | Drei-Wege-Kat oder DOC + SCR/LNT |
| 22xx–25xx | Euro 5 | Drei-Wege-Kat oder DOC + DPF |
| 14xx–17xx | Euro 4 | Drei-Wege-Kat oder DOC |
Quelle: A1 Pro Ditec[7]
Schritt 2: Kraftstoffart prüfen
Feld P.3 zeigt die Kraftstoffart, Feld (10) den zugehörigen Code[3]:
- 0001 = Benzin → Drei-Wege-Katalysator
- 0002 = Diesel → Oxidationskatalysator + meist SCR
- 0004 = Elektro → kein Katalysator
- 0008 = Hybrid Benzin/Elektro → Drei-Wege-Katalysator
Welche Papiere im Auto mitgeführt werden müssen, erklärt unser separater Ratgeber.
Was nicht im Fahrzeugbrief steht
Die exakte Kat-Bauart, die verwendeten Edelmetalle und der Hersteller des Katalysators – diese Details fehlen in den Zulassungspapieren[3]. Dafür brauchen Sie die Ausstattungsliste des Fahrzeugs oder die CoC-Bescheinigung (Certificate of Conformity).
Woran erkennt man einen defekten Katalysator?
Nach meiner Erfahrung aus zahlreichen Werkstattgesprächen zeigen sich diese Symptome:
Die Motorkontrollleuchte geht an – oft als erstes Zeichen[2]. Die OBD-Diagnose zeigt dann typischerweise Fehler wie „Katalysatorwirkungsgrad unter Schwellenwert”. Das Fahrzeug riecht nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff). Das passiert, wenn die katalytische Umwandlung nicht mehr richtig funktioniert.
Die Motorleistung sinkt spürbar. Ein verstopfter Kat blockiert den Abgasstrom, der Motor „erstickt” quasi. Bei der Abgasuntersuchung fallen die Werte durch. Euro-4-Fahrzeuge und neuer bestehen ohne funktionierenden Kat die AU nicht[2].
Was viele nicht wissen: Ein thermisch geschädigter Kat (durch Fehlzündungen oder falschen Kraftstoff) kann innerlich schmelzen und den Auspuff komplett blockieren. Bei einem Fahrzeug in meinem Bekanntenkreis führte das zum kompletten Motorstillstand auf der Autobahn – nicht ungefährlich.
So verlängern Sie die Lebensdauer des Katalysators
Die Lebensdauer eines Kats liegt bei 80.000 bis 160.000 Kilometern – je nach Fahrprofil und Pflege[2].
Vermeiden Sie häufige Kurzstrecken unter 5 Kilometern. Der Kat erreicht seine Betriebstemperatur nicht, kondensierendes Wasser greift die Beschichtung an. Tanken Sie nur den vorgeschriebenen Kraftstoff. Verbleites Benzin (in Deutschland nicht mehr erhältlich) oder falsche Additive zerstören die Edelmetall-Beschichtung.
Lassen Sie Zündaussetzer sofort reparieren. Unverbrannter Kraftstoff gelangt in den Kat und entzündet sich dort – die entstehende Hitze schmilzt die Keramikwaben. Steuergeräte im Auto können Zündprobleme frühzeitig erkennen.
Fahren Sie den Motor warm, bevor Sie ihn abstellen. Das gilt besonders nach längeren Autobahnfahrten mit hoher Last.
Wichtigste Erkenntnisse
- Der Drei-Wege-Katalysator wandelt in Benzinern drei Schadstoffarten gleichzeitig um: CO, HC und NOₓ – bei optimaler Temperatur bis zu 99 Prozent[1][2]
- Dieselfahrzeuge benötigen einen Oxidationskatalysator plus SCR-System mit AdBlue für die NOₓ-Reduktion[5]
- Im Fahrzeugbrief steht der Kat-Typ nicht direkt – die Emissionsschlüsselnummer in Feld 14.1 gibt indirekt Auskunft[3]
- Die Mindestbetriebstemperatur liegt bei 250 bis 400 Grad – Kurzstrecken sind Gift für den Kat[2]
- Ein defekter Katalysator zeigt sich durch Motorkontrollleuchte, Schwefelgeruch und Leistungsverlust
- Ersatzteile kosten je nach Fahrzeug zwischen 150 und 2.500 Euro – plus Einbau
Häufige Fragen (FAQs)
Kann ich ohne Katalysator fahren?
Nein, das ist in Deutschland verboten und technisch bei modernen Fahrzeugen auch kaum möglich[2]. Ohne Kat springt der Motor in den Notlauf-Modus, weil die Lambdasonden falsche Werte liefern. Die Abgasuntersuchung wird nicht bestanden, die Betriebserlaubnis erlischt bei nachträglichem Ausbau.
Was kostet ein neuer Katalysator?
Die Preisspanne reicht von 150 Euro für einen Universal-Kat bis zu 2.500 Euro für ein Original-Ersatzteil bei Premiummarken. Dazu kommen Einbaukosten von 100 bis 300 Euro. Bei modernen Diesel-SUVs mit SCR-System können die Gesamtkosten 3.000 Euro übersteigen. Günstige Autos im Unterhalt punkten oft auch mit preiswerteren Ersatzteilen.
Wie lange hält ein Katalysator?
Bei normaler Nutzung zwischen 80.000 und 160.000 Kilometer[2]. Langstreckenfahrer mit wenig Kaltlaufphasen erreichen eher das obere Ende. Stadtfahrzeuge mit vielen Kurzstrecken verschleißen schneller. Auch die Kraftstoffqualität spielt eine Rolle – Billigbenzin mit hohem Schwefelgehalt schadet der Beschichtung.
Warum wird mein Katalysator gestohlen?
Katalysatoren enthalten Platin, Rhodium und Palladium – Edelmetalle, die teurer sind als Gold[2]. Ein Kat kann beim Schrotthändler 50 bis 500 Euro bringen. SUVs und Vans sind besonders gefährdet, weil Diebe leichter unter das Fahrzeug kommen. Hybridfahrzeuge sind ebenfalls beliebte Ziele, weil ihre Kats weniger thermisch belastet und daher wertvoller sind.
Was bedeutet „geregelter Katalysator”?
Ein geregelter Katalysator arbeitet mit einer Lambdasonde zusammen, die das Luft-Kraftstoff-Gemisch überwacht[1]. Die Sonde misst den Sauerstoffgehalt im Abgas und gibt Rückmeldung an die Motorsteuerung. So wird das Gemisch ständig angepasst, damit der Kat optimal arbeiten kann. Ungeregelte Katalysatoren ohne diese Rückkopplung wurden bis Ende der 1980er verbaut und sind deutlich weniger effizient[2].
Quellen
- Mein-Autolexikon. (2024). Katalysator – Aufbau, Funktion und Lebensdauer. https://www.mein-autolexikon.de/abgasanlage/katalysator.html
- FairGarage. (2024). Katalysator im Auto – Funktion, Wirkungsart und Bauweise. https://www.fairgarage.com/de-de/katalysator
- ADAC. (2025). Fahrzeugschein: Was die Schlüsselnummern bedeuten. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/kfz-zulassung/fahrzeugschein/
- Wikipedia. (2024). Drei-Wege-Katalysator. https://de.wikipedia.org/wiki/Drei-Wege-Katalysator
-
AECC. (2025). From oxidation catalysts to three-way catalysts.
Catalysts
- DieselNet. (2024). Selective Catalytic Reduction. https://dieselnet.com/tech/cat_scr.php
-
A1 Pro Ditec. (2023). Abgasschlüsselnummern (Pkw).
Abgasschlüsselnummern (Pkw)
Ich bin Senior Automotive Analyst bei KFZPick. Mit langjähriger Branchenerfahrung biete ich fundierte Fahrzeugbewertungen, detaillierte Tests und objektive Analysen, um Leser bei fundierten Entscheidungen im Automobilbereich zu unterstützen.









