Welche Steuergeräte gibt es im Auto? ECU-Übersicht 2026

Chien Nguyen Van 07/01/2026

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    Moderne Fahrzeuge packen über 80 Steuergeräte (ECUs) unter ihre Karosserie – Luxusmodelle wie ein Mercedes S-Klasse oder BMW 7er kommen sogar auf bis zu 150[1]. Diese elektronischen Module steuern alles: vom Motor über ABS und ESP bis zur Klimaanlage und Sitzverstellung. Den Kilometerstand speichern dabei mehrere Steuergeräte gleichzeitig – das Kombiinstrument (Tacho), die Motorsteuerung (ECU/DME) und bei vielen Herstellern auch das ABS-Modul[2]. Genau diese Mehrfachspeicherung macht professionellen Tachobetrug heute schwieriger – aber nicht unmöglich.

    So funktionieren Steuergeräte im Auto

    Ein Steuergerät arbeitet nach dem EVA-Prinzip: Eingabe, Verarbeitung, Ausgabe[3]. Sensoren im Fahrzeug liefern Daten – Temperatur, Drehzahl, Raddrehungen – die das Steuergerät in Echtzeit verarbeitet und dann Befehle an Aktoren sendet.

    Alle diese Module kommunizieren über den CAN-Bus miteinander. Das ist ein Datennetzwerk mit Kabeln, das alle Steuergeräte verbindet[4]. Bei einem VW Golf verbindet der CAN-Bus beispielsweise Motorsteuerung, Getriebesteuerung, ABS und Kombiinstrument – sie tauschen ständig Informationen aus.

    Was viele nicht wissen: Die einzelnen Steuergeräte arbeiten nicht isoliert. Beim Start des Motors „sprechen” Wegfahrsperre, Motorsteuergerät und Kombiinstrument miteinander, um die Fahrberechtigung zu prüfen[2]. Fehlt ein Steuergerät oder meldet falsche Daten, springt das Auto nicht an.

    Mehr zur Getriebeelektronik und deren Steuerung finden Sie in unserem separaten Ratgeber.

    Die wichtigsten Steuergeräte im Überblick

    SteuergerätKürzelAufgabekm-Speicher
    MotorsteuergerätECU/DME/DDEEinspritzung, Zündung, AbgassteuerungJa
    GetriebesteuergerätTCUSchaltpunkte, KupplungsdruckTeilweise
    ABS-SteuergerätABS-ECUVerhindern von RadblockierenJa (oft)
    ESP-SteuergerätESP/ESCFahrstabilitätTeilweise
    Airbag-SteuergerätSRSAuslösung bei CrashJa
    KombiinstrumentTachoAnzeigen, KilometerstandJa
    KlimasteuergerätHVACTemperatur, GebläseNein
    ZentralsteuergerätBCMLicht, ZentralverriegelungNein
    InfotainmentHUNavigation, AudioTeilweise

    Die genaue Anzahl variiert je nach Fahrzeugklasse und Ausstattung. Ein Basis-Kleinwagen kommt mit etwa 30 Steuergeräten aus. Ein voll ausgestatteter Oberklasse-SUV kann über 100 Module mitbringen[1].

    Diese Steuergeräte speichern den km-Stand

    Die Frage „welche Steuergeräte speichern den Kilometerstand?” wird meist im Zusammenhang mit Tachobetrug gestellt. Hier ist die ehrliche Antwort: Es kommt stark auf Hersteller und Baujahr an[2].

    Typische km-Speicher bei deutschen Herstellern

    Bei BMW speichern mindestens vier Module den Kilometerstand[5]:

    • Kombiinstrument (Tacho)
    • Digitale Motorelektronik (DME/DDE)
    • CAS-Modul (Wegfahrsperre)
    • Schlüssel

    Das System gleicht sich ab: Beim Start wird der höchste gespeicherte Kilometerstand übernommen. Manipuliert jemand nur den Tacho, korrigiert das CAS-Modul den Wert beim nächsten Start nach oben.

    Bei VW/Audi ist die Situation ähnlich. Motorsteuergerät, Kombiinstrument und oft auch das Lenksäulenmodul speichern den km-Stand. Zusätzlich protokollieren viele Steuergeräte den Kilometerstand, bei dem ein Fehler auftrat – sichtbar im Fehlerspeicher[5].

    Mercedes geht noch weiter: Hier speichert das Airbag-Steuergerät den Kilometerstand bei jedem erkannten Fehlerzustand. Da diese Daten verschlüsselt sind, lassen sie sich nicht ohne Weiteres ändern.

    Der Haken bei Manipulation

    Professionelle Tachofälscher wissen das natürlich. Die neueren Manipulationsgeräte ändern den Kilometerstand in allen bekannten Steuergeräten gleichzeitig[6]. Trotzdem bleiben oft Spuren – etwa in Fehlerspeichern, die zum Zeitpunkt eines Defekts den damaligen km-Stand notiert haben.

    Meiner Erfahrung nach: Ein Fehlerspeicher-Protokoll mit Einträgen bei 120.000 km – bei einem angeblichen 80.000-km-Auto – ist der deutlichste Hinweis auf Manipulation.

    Steuergeräte nach Funktionsbereichen

    Antriebsstrang

    Die Motorsteuerung (ECU bei Benzinern, oft als DME bei BMW oder als EDC bei Diesel bezeichnet) ist das Herzstück[3]. Sie regelt Einspritzmenge, Zündzeitpunkt, Abgasrückführung und Turboladerdruck. Bei modernen Dieseln übernimmt sie auch die Steuerung von Partikelfilter-Regeneration und AdBlue-Dosierung.

    Das Getriebesteuergerät (TCU) entscheidet bei Automatik- und Doppelkupplungsgetrieben, wann und wie schnell geschaltet wird[7]. Es kommuniziert permanent mit der Motorsteuerung, um Zugkraftunterbrechungen zu minimieren.

    Hybride und E-Fahrzeuge bringen weitere Steuergeräte mit: Batteriemanagement (BMS), Ladegerät-Steuerung und Hochvolt-Sicherheitsmodul sind nur einige davon. Wer sich für Hybridtechnik interessiert, findet dort mehr Details.

    Sicherheitssysteme

    ABS, ESP und Traktionskontrolle teilen sich oft ein Steuergerät oder sind eng vernetzt[7]. Das ABS-Modul empfängt Raddrehzahlsignale von allen vier Rädern und kann einzelne Bremsen gezielt ansteuern.

    Das Airbag-Steuergerät (SRS) ist ein besonders kritisches Modul. Es überwacht Crashsensoren und entscheidet in Millisekunden über die Auslösung von Frontairbags, Seitenairbags und Gurtstraffern[8]. Nach einem Unfall muss dieses Steuergerät ausgetauscht oder zurückgesetzt werden – je nach Schwere des Unfalls.

    Komfort und Karosserie

    Die Zentralelektronik (BCM – Body Control Module) steuert alles, was mit der Karosserie zu tun hat[7]: Außen- und Innenbeleuchtung, Zentralverriegelung, Fensterheber, Scheibenwischer und oft auch die elektrische Heckklappe.

    Bei Premium-Fahrzeugen kommen separate Steuergeräte für Sitze, Schiebedach und sogar Ambientebeleuchtung dazu. Ein BMW 5er hat beispielsweise ein eigenes Steuergerät nur für die Sitzverstellung mit Memory-Funktion.

    Wer mehr über Fahrwerkskomponenten erfahren will, wird bei uns fündig.

    Fahrerassistenz

    Moderne Assistenzsysteme wie Spurhalteassistent, Notbremsassistent und Abstandsregeltempomat benötigen eigene Steuergeräte oder integrierte Module[8]. Diese verarbeiten Daten von Radar, Kamera und Ultraschallsensoren.

    Das Ergebnis? Ein Mittelklasse-Fahrzeug von 2025 hat mehr Rechenleistung an Bord als ein Supercomputer aus den 1990ern. Und jedes Update – ob per Werkstattbesuch oder Over-the-Air – ändert die Software dieser Steuergeräte.

    Tachobetrug erkennen: Praktische Tipps

    Da die Kilometer-Speicherung ein Hauptanliegen bei der Suchanfrage ist, hier konkrete Hinweise für Gebrauchtwagenkäufer[6]:

    • Fehlerspeicher auslesen lassen: Eine gründliche Diagnose zeigt Fehlereinträge mit km-Ständen. Unstimmigkeiten zwischen diesen Einträgen und dem Tachostand sind ein Warnsignal.
    • Serviceheft und Rechnungen prüfen: Ölwechsel bei 30.000 km, aber das Auto hat angeblich nur 45.000 gelaufen? Bei einem Inspektionsintervall von 30.000 km wäre der nächste Service erst bei 60.000 km fällig.
    • Carfax oder DAT-Gutachten: Diese Dienste sammeln km-Stände aus TÜV-Berichten und Werkstattbesuchen. Abweichungen fallen sofort auf.
    • Verschleiß beachten: Abgenutzte Pedalauflagen, durchgesessene Sitze und blank polierte Lenkräder passen nicht zu niedrigen Kilometerständen.

    Der ADAC schätzt, dass jeder dritte Gebrauchtwagen in Deutschland einen manipulierten Tacho hat[6]. Bei Importen aus dem Ausland ist die Quote noch höher.

    Auf [KFZPick] finden Sie weitere Tipps zu Fahrzeugpapieren und worauf Sie beim Kauf achten sollten.

    Wichtigste Erkenntnisse

    • Über 80 Steuergeräte arbeiten in modernen Fahrzeugen zusammen – Luxusautos erreichen bis zu 150 Module[1]
    • CAN-Bus als Nervensystem: Alle ECUs kommunizieren über ein Datennetzwerk, das Signale in Echtzeit austauscht[4]
    • Kilometerstand mehrfach gespeichert: Kombiinstrument, Motorsteuergerät, ABS und oft die Wegfahrsperre protokollieren die gefahrenen Kilometer[2]
    • Fehlerspeicher als km-Zeuge: Bei Defekten wird der aktuelle Kilometerstand mitgespeichert – Manipulationen sind hier oft erkennbar[5]
    • Jeder dritte Gebrauchte betroffen: Laut ADAC ist Tachobetrug weit verbreitet – gründliche Diagnose vor dem Kauf schützt[6]
    • Hersteller verschlüsseln zunehmend: Moderne Fahrzeuge sichern km-Daten kryptografisch ab, was Manipulation erschwert

    Häufige Fragen (FAQs)

    Wie viele Steuergeräte hat ein normales Auto?

    Ein aktueller Kompaktwagen wie der VW Golf oder Opel Astra kommt auf etwa 50–80 Steuergeräte[1]. Oberklasse-Fahrzeuge und Elektroautos liegen deutlich darüber – bis zu 150 bei Vollausstattung. Die Anzahl steigt mit jeder Fahrzeuggeneration, da neue Assistenzsysteme, Komfortfunktionen und Vernetzungsoptionen jeweils eigene Module benötigen.

    Kann man den km-Stand in allen Steuergeräten gleichzeitig ändern?

    Ja, professionelle Manipulationsgeräte können den Kilometerstand in mehreren Steuergeräten gleichzeitig überschreiben[6]. Allerdings erfassen nicht alle Diagnosegeräte sämtliche relevanten Module. Besonders Fehlerspeichereinträge mit km-Angaben werden oft übersehen. Neuere Fahrzeuge ab etwa 2020 nutzen zunehmend Verschlüsselung, die eine Manipulation deutlich erschwert – aber nicht komplett verhindert.

    Welches Steuergerät ist am teuersten bei Defekt?

    Das Motorsteuergerät ist in der Regel das teuerste – ein Ersatzteil kostet je nach Hersteller zwischen 500 und 2.500 Euro, dazu kommt die Anpassung (Codierung) ans Fahrzeug[3]. Das Infotainment-System kann bei Premium-Marken ähnlich teuer werden. Airbag-Steuergeräte kosten zwischen 300 und 800 Euro – müssen nach einem Unfall aber zwingend getauscht werden.

    Werden Steuergeräte bei der HU (TÜV) ausgelesen?

    Ja, seit 2018 lesen Prüforganisationen bei der Hauptuntersuchung die Fehlerspeicher sicherheitsrelevanter Steuergeräte aus[8]. Dazu gehören ABS, Airbag und Motormanagement. Die Prüfer schauen auf sicherheitsrelevante Fehler – der Kilometerstand wird dabei protokolliert und kann bei späteren Prüfungen verglichen werden. Ein Absinken des km-Stands fällt so auf.

    Was passiert, wenn ein Steuergerät defekt ist?

    Die Auswirkungen hängen vom betroffenen Modul ab[7]. Ein defektes Motorsteuergerät führt meist dazu, dass das Fahrzeug nicht startet oder nur im Notlaufprogramm fährt. Ein kaputtes Klimasteuergerät bedeutet Komforteinbußen, aber das Auto bleibt fahrbar. Bei sicherheitsrelevanten Modulen wie ABS oder Airbag leuchtet eine Warnlampe, und das System ist deaktiviert – was die Verkehrssicherheit beeinträchtigt.

    Quellen

    1. Tektronix. (2025). CAN-Bus-Fehlersuche – Steuergeräte im vernetzten Fahrzeug. https://www.tek.com/de/solutions/industry/automotive-test-solutions/in-vehicle-networks/can-bus-troubleshooting-oscilloscope
    2. Motor-Talk Forum. (2020). Falsche km-Stände im Fehlerspeicher – Steuergeräte und Kilometerstand. https://www.motor-talk.de/forum/falsche-km-staende-im-fehlerspeicher-t6979811.html
    3. Airbagbank.eu. (2024). Das ECU-Steuergerät in deinem Auto. https://airbagbank.eu/de/blog/airbag-steuergerat/ecu-steuergerae/
    4. FleetGO. (2025). CAN-Bus: Aufgaben und Funktionen in Fahrzeugen. https://fleetgo.de/kb/glossar/c/can-bus/
    5. E60-Forum. (2012). Tachomanipulation – wie nachweisbar. https://www.e60-forum.de/forum/index.php?thread/23449-tachomanipulation-wie-nachweisbar-bei-e60-lci/
    6. ADAC. (2025). Tachomanipulation: Jeder dritte Gebrauchtwagen betroffen. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/auto-kaufen-verkaufen/gebrauchtwagenkauf/tacho-manipulation/
    7. EPS Elektronik. (2007). Steuergerättypen und Funktion im Fahrzeug. https://www.eps-elektronik.com/steuergeraettypen-funktion-kfz-elektronik.php
    8. Radiofrequenze. (2025). Moderne Fahrzeugtechnik: Was du über Steuergeräte wissen musst.
      Moderne Fahrzeugtechnik: Was du über Steuergeräte wissen musst

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