Fast alle Mercedes-Fahrzeuge arbeiten mit einer Steuerkette. Die einzige Ausnahme bilden die A-Klasse (W176) und die B-Klasse (W246) mit dem 1,5-Liter-Dieselmotor OM 607.[1] Konkret betroffen sind der A 160 CDI, A 180 CDI/d, B 160 CDI und B 180 CDI/d aus den Baujahren 2013 bis 2018.
Der Grund dafür ist schnell erklärt: Der OM 607 ist kein eigenentwickelter Mercedes-Motor. Er stammt aus der Kooperation mit Renault und trägt dort den Motorcode K9K[1]. Alle anderen Mercedes-Motoren – egal ob Benziner oder Diesel, Vierzylinder oder V8 – haben ausnahmslos eine Steuerkette.
Wer also einen Mercedes fährt oder kaufen möchte und sich fragt, ob ein Zahnriemenwechsel ansteht: Die Antwort lautet in fast allen Fällen nein. Nur bei den genannten vier Modellvarianten mit OM 607 ist ein Zahnriemen verbaut. Einen vollständigen Überblick über alle Riemenarten im Auto gibt unser separater Ratgeber.
Mercedes-Benz setzt seit Jahrzehnten konsequent auf Steuerketten – bei allen Eigenentwicklungen. Der OM 607 bricht mit dieser Tradition, aber nicht weil Mercedes umgedacht hat.
Der Motor ist technisch identisch mit dem Renault K9K, einem der meistgebauten Dieselmotoren Europas[3]. Renault konstruierte diesen Vierzylinder-Diesel von Anfang an mit Zahnriemen. Als Mercedes den Motor für die A-Klasse W176 und B-Klasse W246 übernahm, blieb das Riemenkonzept bestehen – eine Umkonstruktion auf Steuerkette wäre unwirtschaftlich gewesen[4].
Die Kooperation war zeitlich begrenzt. Ab der W177-Generation (ab 2018) ersetzte Mercedes den Renault-Motor durch eigene Aggregate[1]. Seitdem verbaut Mercedes ausnahmslos wieder Steuerketten in allen Baureihen. Wer sich für Antriebstechnologien der Zukunft interessiert, stellt fest: Auch bei Hybridmotoren bleibt Mercedes bei der Kette.
Genau vier Modellvarianten von Mercedes sind mit einem Zahnriemen ausgestattet – alle mit demselben Motor OM 607 (Renault K9K)[1][2].
| Baureihe | Modell | Motor | Hubraum | Leistung | Baujahre |
|---|---|---|---|---|---|
| A-Klasse W176 | A 160 CDI | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 90 PS | 2013–2018 |
| A-Klasse W176 | A 180 CDI / A 180 d | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 109 PS | 2013–2018 |
| B-Klasse W246 | B 160 CDI | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 90 PS | 2013–2018 |
| B-Klasse W246 | B 180 CDI / B 180 d | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 109 PS | 2013–2018 |
[2][5]
Wer einen gebrauchten Mercedes aus dieser Baureihe kauft, sollte unbedingt nach dem letzten Zahnriemenwechsel fragen – und sich den Nachweis zeigen lassen. Ohne dokumentierten Wechsel empfehlen Werkstätten, den Riemen sofort zu erneuern[1].
Die Modellbezeichnung allein verrät nicht, ob Zahnriemen oder Steuerkette verbaut ist. Gerade bei der A-Klasse sorgt das für Verwirrung[6].
Ein Beispiel: Der A 180 CDI der W176-Baureihe (2013–2018) hat den Renault-Motor OM 607 mit Zahnriemen. Der ältere A 180 CDI auf Basis der W169-Plattform (2004–2012) dagegen eine Mercedes-Eigenentwicklung mit Steuerkette[6].
Noch verwirrender wird es innerhalb derselben Baureihe W176. Der A 200 CDI hat den stärkeren OM 651 – und der arbeitet mit Steuerkette[1]. Also: Gleiche Baureihe, ähnlicher Name, aber zwei völlig verschiedene Motoren mit unterschiedlichem Steuerungskonzept.
Die sicherste Methode zur Identifikation: den Motorcode im Fahrzeugschein prüfen. Steht dort OM 607 (oder 607.951 / 607.952), ist ein Zahnriemen verbaut. Bei jedem anderen Motorcode handelt es sich um eine Steuerkette. Wer generell wissen möchte, welche Ausstattung sein Auto hat, findet den Motorcode auch über die FIN-Abfrage.
Alle Mercedes-Dieselmotoren außer dem OM 607 arbeiten mit Steuerkette. Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Aggregate[1].
| Motorbezeichnung | Hubraum | Modelle (Beispiele) | Baujahre |
|---|---|---|---|
| OM 651 | 2.143 ccm | C 200/220 CDI, E 200/220 CDI, Sprinter | 2008–2019 |
| OM 654 | 1.597–1.950 ccm | C 200d/220d, E 200d/220d, GLC 200d | 2016–heute |
| OM 642 | 2.987 ccm | E 320/350 CDI, ML 320/350 CDI, S 350d | 2005–heute |
| OM 656 | 2.925 ccm | S 400d, GLS 400d, E 400d | 2017–heute |
[1]
Der OM 651 ist der mit Abstand häufigste Mercedes-Diesel der letzten 15 Jahre. Er kam in der C-Klasse, E-Klasse, im Sprinter und in zahlreichen SUV-Modellen zum Einsatz. Sein Nachfolger OM 654 treibt aktuelle Modelle an und gilt als deutlich ausgereifter[1].
Für Käufer bedeutet das: Wer eine C-Klasse, E-Klasse, S-Klasse, GLC, GLE oder einen Sprinter fährt, muss sich keine Gedanken über einen Zahnriemenwechsel machen. Bei diesen Modellen gehört der Zahnriemen schlicht nicht zum Wartungsplan. Dafür sollten Besitzer eines OM 651 die Filter im Auto regelmäßig prüfen lassen – besonders den Dieselpartikelfilter.
Die Antwort fällt hier denkbar einfach aus: Alle. Kein einziger Mercedes-Benzinmotor wurde jemals mit Zahnriemen ausgeliefert[7].
Das gilt für den kompakten Vierzylinder M 271 (1,8 L) in der C 180/200 Kompressor genauso wie für den Turbo-Vierzylinder M 274 und M 264 in aktuellen C- und E-Klasse-Modellen. Auch die Sechszylinder M 276/M 272 und die V8-Motoren M 278/M 177 arbeiten durchweg mit Steuerkette[7].
Für Mercedes-Benziner-Fahrer heißt das: Ein Zahnriemenwechsel steht nie auf dem Wartungsplan. Allerdings sind Steuerketten nicht wartungsfrei – dazu gleich mehr im Abschnitt zu den Problemen beim OM 651. Wer das richtige Motoröl für seinen Mercedes wählt, kann die Lebensdauer der Steuerkette positiv beeinflussen.
Beide Systeme steuern die Ventilöffnung im Motor – aber sie unterscheiden sich in Haltbarkeit, Kosten und Wartungsaufwand erheblich[8].
| Kriterium | Zahnriemen | Steuerkette |
|---|---|---|
| Haltbarkeit | 60.000–250.000 km (Wechsel Pflicht) | Gesamte Motorlebensdauer (bei Wartung) |
| Wartungskosten | Wechsel nötig (ca. 400–806 €) | Prinzipiell wartungsfrei |
| Lautstärke | Leiser im Betrieb | Etwas lauter |
| Gewicht | Leichter | Schwerer |
| Risiko bei Defekt | Riemenriss → oft kapitaler Motorschaden | Kettenlängung → Steuerzeiten verschoben |
| Reparaturkosten bei Defekt | 400–806 € (Riemenwechsel) | 1.200–3.000 € (Kettenwechsel) |
[8][9]
Der Zahnriemen arbeitet leiser und wiegt weniger. Sein Nachteil: Er altert und muss nach einem festgelegten Intervall getauscht werden. Wer den Wechsel verpasst, riskiert einen Riemenriss – und damit oft einen wirtschaftlichen Totalschaden am Motor[8].
Die Steuerkette hält im Idealfall ein Motorleben lang. Aber „wartungsfrei" stimmt nur bedingt. Kettenspanner und Führungsschienen verschleißen, und bei manchen Motoren – wie dem Mercedes OM 651 – tritt Kettenlängung auf[10]. Ein Kettenwechsel kostet dann das Drei- bis Vierfache eines Zahnriemenwechsels.
Der OM 607 im Mercedes verlangt als einziger Mercedes-Motor nach einem regelmäßigen Zahnriemenwechsel. Und beim Wechselintervall gibt es widersprüchliche Angaben, die für Unsicherheit sorgen.
Mercedes gibt offiziell ein Wechselintervall von 200.000 Kilometern oder 10 Jahren vor – je nachdem was zuerst eintritt[2][3]. Dieses Intervall bestätigen auch Quellen wie Autodoc und Repareo[5].
Allerdings gibt es Abweichungen. Renault schreibt für den technisch identischen K9K-Motor ein Intervall von 120.000 Kilometern oder 6 Jahren vor[3]. Und auch die ADAC-Tabelle nennt kürzere Intervalle für den gleichen Motortyp[11].
Was bedeutet das in der Praxis? Viele Werkstätten empfehlen einen Kompromiss: Wechsel bei etwa 120.000 bis 150.000 Kilometern, besonders bei Kurzstreckenfahrern und Fahrzeugen mit unbekannter Servicehistorie[1]. (Sicher ist sicher – ein Riemenriss kostet deutlich mehr als ein vorsorglicher Wechsel.)
| Modell | Kosten (inkl. Arbeit) | Empfohlenes Intervall |
|---|---|---|
| A-Klasse W176 (A 160/180 CDI) | 610–806 € | 120.000–200.000 km / 10 Jahre |
| B-Klasse W246 (B 160/180 CDI) | 400–650 € | 120.000–200.000 km / 10 Jahre |
[2][5]
Die Preisspanne erklärt sich durch unterschiedliche Konstruktionsweisen der Motorvarianten – bei manchen ist der Zugang zum Zahnriemen arbeitsintensiver[2]. In Mercedes-Vertragswerkstätten zahlen Fahrer teils über 1.000 Euro[12]. Freie Werkstätten liegen erfahrungsgemäß 20 bis 30 Prozent darunter.
Drei Faktoren beeinflussen den Endpreis am stärksten. Erstens die Werkstattart: Eine Mercedes-Niederlassung berechnet höhere Stundensätze als eine freie Kfz-Werkstatt[2]. Zweitens der gleichzeitige Wechsel der Wasserpumpe – die meisten Werkstätten empfehlen das, weil die Pumpe ohnehin freigelegt werden muss. Der Mehrpreis liegt bei etwa 80 bis 150 Euro[2].
Drittens spielt die Region eine Rolle. In München oder Hamburg fallen die Arbeitskosten spürbar höher aus als in ländlichen Regionen. Wer die Kosten in einer freien Werkstatt vergleichen möchte, sollte mindestens drei Angebote einholen.
Wer beim Mercedes keinen Zahnriemen hat, ist trotzdem nicht automatisch sorgenfrei. Der OM 651 – mit Abstand der meistverbreitete Mercedes-Diesel der letzten Jahre – hat ein bekanntes Problem: Steuerkettenlängung[10].
Der Motor verwendet eine Simplex-Steuerkette (einreihig). Bei einigen Exemplaren tritt ab 120.000 bis 150.000 Kilometern eine Längung auf, die die Steuerzeiten verschiebt[10]. Die Symptome sind deutlich: Rasseln beim Kaltstart, unruhiger Motorlauf, Leistungsverlust und eine leuchtende Motorkontrollleuchte[13].
Die Reparaturkosten liegen zwischen 1.200 und 3.000 Euro – also ein Vielfaches des Zahnriemenwechsels beim OM 607[13][10]. Regelmäßige Ölwechsel mit der richtigen Öl-Spezifikation können die Lebensdauer der Kette verlängern.
Ein OM 651 mit Kettenproblem klingt oft nach einem Diesel mit Zahnriemenschaden – das führt zu Verwechslungen. Aber die Ursache ist grundlegend anders: Die Kette reißt nicht, sondern längt sich. Das verschiebt die Ventilsteuerung schleichend, statt sie schlagartig zu zerstören[14].
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