In einem modernen Auto arbeiten zwei bis drei verschiedene Riementypen: der Zahnriemen (oder Steuerkette) für die Motorsteuerung, der Keilrippenriemen für die Nebenaggregate und bei älteren Fahrzeugen noch der klassische Keilriemen[1]. Sichtbar im Motorraum ist nur der Keilrippenriemen – er läuft um Lichtmaschine, Klimakompressor und Servopumpe. Der Zahnriemen versteckt sich unter einer Abdeckung und ist ohne Demontage nicht zu sehen[2].
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen den Riementypen auf einen Blick.
| Riemenart | Aufgabe | Sichtbar? | Wechselintervall | Kosten Wechsel |
|---|---|---|---|---|
| Zahnriemen | Motorsteuerung (Nockenwelle) | Nein (unter Abdeckung)[3] | 60.000–120.000 km | 400–1.000 € |
| Keilrippenriemen | Nebenaggregate (Lima, Klima, Servo) | Ja (im Motorraum sichtbar)[1] | 60.000–100.000 km | 125–300 €[4] |
| Keilriemen | Nebenaggregate (ältere Fahrzeuge) | Ja | 50.000–80.000 km | 50–150 € |
Und hier ist ein Detail, das viele verwirrt: Der Begriff „Keilriemen" wird umgangssprachlich oft für den Keilrippenriemen verwendet[5]. Technisch sind das aber zwei verschiedene Bauteile. In modernen Autos findet sich fast ausschließlich der Keilrippenriemen – der klassische Keilriemen ist seit den 2000er Jahren weitgehend verschwunden.
Der Zahnriemen synchronisiert Kurbelwelle und Nockenwelle. Das ist kritisch. Ohne exakte Synchronisation treffen Kolben auf Ventile – Motorschaden[2].
Auf der Innenseite des Zahnriemens sitzen quer verlaufende Zähne, die formschlüssig in die Zahnräder der Kurbelwelle und Nockenwelle greifen[6]. Diese Verzahnung verhindert Schlupf – der Riemen kann nicht durchrutschen. Bei einem VW 2.0 TDI dreht sich die Kurbelwelle doppelt so schnell wie die Nockenwelle. Der Zahnriemen hält dieses exakte 2:1-Verhältnis millisekundengenau ein.
Was das Datenblatt Dir nicht verrät: Der Zahnriemen dehnt sich mit der Zeit. Nicht viel – vielleicht einen Millimeter auf 100.000 km. Aber bei der Motorsteuerung macht ein Millimeter den Unterschied zwischen sauberem Lauf und klopfendem Motor[3].
Nicht jedes Auto hat einen Zahnriemen. Viele Hersteller setzen auf Steuerketten – BMW, Mercedes (größtenteils), Toyota. Steuerketten halten theoretisch ewig, brauchen aber bei defektem Kettenspanner ebenfalls eine teure Reparatur[7]. Ob Dein Auto Zahnriemen oder Steuerkette hat, steht in der Betriebsanleitung.
Der Keilrippenriemen ist der Riemen, den Du im Motorraum siehst. Er treibt alles an, was der Motor nebenbei braucht: Lichtmaschine (lädt die Batterie), Klimakompressor, Servopumpe und bei manchen Fahrzeugen auch die Wasserpumpe[1].
Die Unterseite des Keilrippenriemens hat längs verlaufende Rippen – daher der Name[8]. Diese Rippen greifen in entsprechende Rillen auf den Riemenscheiben. Der Riemen arbeitet kraftschlüssig durch Reibung, nicht formschlüssig wie der Zahnriemen. Ein gewisser Schlupf ist normal und sogar gewollt[6].
Was mich bei der Fehlersuche immer wieder überrascht: Der Keilrippenriemen läuft oft über 5-6 verschiedene Rollen. Lichtmaschine, Klimakompressor, Servopumpe, zwei Umlenkrollen, eine Spannrolle. Fällt eine davon aus, leidet der gesamte Riemenantrieb[9].
Das klassische Quietschen beim Kaltstart? Fast immer der Keilrippenriemen[10]. Die Ursachen sind vielfältig:
Hier ist die Sache: Gelegentliches Quietschen bei Kälte ist harmlos. Dauerhaftes Quietschen oder Quietschen bei warmem Motor deutet auf ein echtes Problem hin – dann ab in die Werkstatt[10].
Der ursprüngliche Keilriemen hat einen keilförmigen Querschnitt und läuft in V-förmigen Rillen auf den Riemenscheiben[6]. Bei älteren Fahrzeugen (vor 2000) waren oft mehrere separate Keilriemen verbaut – einer für die Lichtmaschine, einer für die Servopumpe, einer für die Klimaanlage.
Der Nachteil: Mehr Riemen bedeuten mehr Wartung. Und klassische Keilriemen können nicht so stark gebogen werden wie Keilrippenriemen, was die Konstruktion des Motorraums einschränkt[8].
In modernen Fahrzeugen ist der klassische Keilriemen praktisch verschwunden. Ein einziger Keilrippenriemen ersetzt heute drei bis vier separate Keilriemen – einfacher, günstiger, wartungsärmer[1].
Die Suche nach dem passenden Keilrippenriemen ist einfacher als beim Motoröl – aber die gleiche Logik gilt: Die Fahrzeugdaten entscheiden.
Im Fahrzeugschein stehen unter Feld 2.1 (HSN) und 2.2 (TSN) die Schlüsselnummern Deines Fahrzeugs[4]. Bei AUTODOC, kfzteile24 oder ATP gibst Du diese Nummern ein und bekommst den passenden Riemen angezeigt.
Genauer geht es mit dem Motorcode. Bei VW steht er im Serviceheft oder auf einem Aufkleber am Motorblock. Ein VW Golf 7 mit Motor CJZA braucht einen anderen Riemen als der gleiche Golf mit Motor CPTA[5].
Ohne Fahrzeugdaten? Dann hilft nur messen. Die wichtigsten Maße:
Ein „6PK1570" bedeutet: 6 Rippen, 1570 mm Wirklänge[8]. Mit dieser Angabe findest Du den passenden Ersatz.
Die Wechselintervalle unterscheiden sich je nach Riementyp erheblich.
| Riementyp | Intervall km | Intervall Jahre | Symptome bei Verschleiß |
|---|---|---|---|
| Zahnriemen | 60.000–120.000 km[3] | 5–8 Jahre | Keine (reißt ohne Vorwarnung) |
| Keilrippenriemen | 60.000–100.000 km[4] | 5–7 Jahre | Quietschen, Risse, harte Oberfläche |
| Keilriemen | 50.000–80.000 km[12] | 5 Jahre | Quietschen, Ausfransen |
Der Zahnriemen ist das kritischste Bauteil. Er kündigt seinen Tod nicht an – er reißt einfach[3]. Beim Keilrippenriemen dagegen hast Du Vorwarnung: Er quietscht, zeigt Risse, wird hart und spröde. Bei diesen Anzeichen solltest Du handeln, bevor er komplett versagt[9].
Meiner Erfahrung nach halten Keilrippenriemen oft länger als angegeben – 120.000 km sind keine Seltenheit. Aber das Risiko steigt mit jedem Kilometer über dem Intervall. Bei einem 50-Euro-Teil würde ich nicht pokern.
Die Konsequenzen hängen davon ab, welcher Riemen reißt.
Du kannst mit gerissenem Keilrippenriemen noch ein paar Kilometer zur nächsten Werkstatt fahren – sofern die Wasserpumpe nicht betroffen ist. Mit gerissenem Zahnriemen fährst Du nirgendwo mehr hin.
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