Die Öl-Spezifikation Deines Autos steht im Serviceheft oder in der Betriebsanleitung – nicht im Fahrzeugschein[1]. Dort findest Du Angaben wie „VW 504.00", „MB 229.51" oder „BMW Longlife-04". Diese Herstellerfreigaben sind verbindlich. Alternativ nutzt Du Online-Ölfinder von ADDINOL oder LIQUI MOLY, wo Du einfach Deine HSN/TSN aus der Zulassungsbescheinigung eingibst[2].
Drei Systeme bestimmen, ob ein Öl für Deinen Motor taugt: SAE, API und ACEA. Die SAE-Klasse (z.B. 5W-30) beschreibt nur die Viskosität – also wie dick- oder dünnflüssig das Öl bei bestimmten Temperaturen ist[3]. Das reicht aber nicht aus.
API und ACEA definieren die eigentliche Qualität. Der Unterschied? API-Normen stammen vom American Petroleum Institute und orientieren sich an US-Anforderungen. ACEA-Spezifikationen kommen vom europäischen Automobilverband und berücksichtigen die strengeren Anforderungen europäischer Motoren – besonders bei Abgasnachbehandlung und Partikelfiltern[4].
Die Zahl vor dem „W" zeigt die Kaltstarteigenschaften: 0W bedeutet Pumpfähigkeit bis -40°C, 5W bis -35°C[5]. In Deutschland reicht für die meisten Regionen 5W völlig aus. Nur wer regelmäßig bei arktischen Temperaturen startet, braucht 0W.
Die zweite Zahl (30, 40, 50) beschreibt die Viskosität bei Betriebstemperatur. Je höher die Zahl, desto dickflüssiger bleibt das Öl bei Hitze. Moderne Motoren verlangen meist niedrigviskose Öle wie 5W-30 oder 0W-20 – das spart Kraftstoff, bietet aber bei älteren Motoren mit größeren Toleranzen nicht genug Schmierfilmdicke[3].
| SAE-Klasse | Kaltstart bis | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 0W-20 | -40°C | Moderne Benziner, Hybride |
| 5W-30 | -35°C | Standard für aktuelle PKW |
| 5W-40 | -35°C | Sportliche Motoren, höhere Last |
| 10W-40 | -30°C | Ältere Fahrzeuge, Ganzjahresöl |
API-Kennungen bestehen aus zwei Buchstaben[6]. Der erste zeigt den Motortyp:
Der zweite Buchstabe verrät die Leistungsstufe. Je weiter im Alphabet, desto moderner die Norm. API SP ist aktuell die höchste Klasse für Benziner, API CK-4 für Diesel[3].
Hier ist die Sache: Neuere API-Klassen sind grundsätzlich abwärtskompatibel. Ein API SP-Öl erfüllt auch die Anforderungen von API SN oder SL. Andersherum funktioniert das nicht – ein altes API SL-Öl gehört nicht in einen Motor, der API SP verlangt[6].
ACEA-Freigaben sind für europäische Autos entscheidend. Die Buchstaben zeigen die Motorart und den Einsatzzweck[4]:
| ACEA-Klasse | Bedeutung | Typische Fahrzeuge |
|---|---|---|
| A/B | Benzin- und Dieselmotoren ohne DPF | Ältere Modelle ohne Partikelfilter |
| C | Low-SAPS für Motoren mit DPF/Kat | Moderne Fahrzeuge mit Abgasnachbehandlung |
| E | Nutzfahrzeug-Dieselmotoren | LKW, Transporter |
Die Zahl hinter dem Buchstaben definiert das Leistungsniveau. ACEA C3 ist beispielsweise ein Mid-SAPS-Öl für leistungsstarke Motoren mit Dieselpartikelfilter. ACEA C5 bietet noch niedrigere Viskosität für maximale Kraftstoffeinsparung[7].
Was das Datenblatt Dir nicht verrät: Ein ACEA A3/B4-Öl hat höhere Scherstabilität als A1/B1. Für Motoren mit Turbolader oder häufigem Volllastbetrieb macht das einen echten Unterschied bei der Motorlebensdauer[7].
Die wichtigste Angabe ist die Herstellerfreigabe. Sie steht im Serviceheft Deines Fahrzeugs[1]. VW nutzt Codes wie 504.00/507.00 für Longlife-Öle, BMW vergibt Freigaben wie „LL-04", Mercedes verwendet Bezeichnungen wie 229.51 oder 229.71[8].
Hier wird es knifflig: Ein Öl kann alle SAE-, API- und ACEA-Anforderungen erfüllen – und trotzdem die Herstellerfreigabe nicht haben. Diese Freigabe bedeutet, dass der Autohersteller das Öl selbst getestet und für seine Motoren freigegeben hat. Besonders bei modernen Motoren mit komplexen Getriebesystemen oder verlängerten Ölwechselintervallen ist das kritisch[8].
| Hersteller | Typische Freigaben | Empfohlene Viskosität |
|---|---|---|
| VW/Audi/Seat/Skoda | 504.00 / 507.00 | 5W-30 |
| BMW | LL-01 / LL-04 | 5W-30, 0W-40 |
| Mercedes-Benz | 229.51 / 229.71 | 5W-30 |
| Opel/GM | Dexos2 | 5W-30, 0W-20 |
Während meiner Recherche für diesen Artikel habe ich mehrere Fälle gefunden, wo vermeintlich „passendes" Öl ohne Herstellerfreigabe zu Problemen führte. Der Grund: Bestimmte Additive können Dichtungen angreifen oder den DPF zusetzen. Die paar Euro Ersparnis bei No-Name-Öl rächen sich dann schnell.
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