Mercedes setzt fast durchgehend auf Steuerketten – mit einer Ausnahme: Die Renault-Dieselmotoren OM 607 (1,5 Liter) in der A-Klasse (W176) und B-Klasse (W246) arbeiten mit Zahnriemen[1]. Diese Aggregate stammen aus der Kooperation mit Renault und sind unter anderem im A 160 CDI, A 180 CDI und B 180 CDI verbaut[2]. Alle anderen Mercedes-Motoren – ob Benziner oder Diesel – nutzen seit Jahrzehnten eine Steuerkette.
Mercedes-Benz setzt traditionell auf Steuerketten. Der Grund: Steuerketten halten bei korrekter Wartung die gesamte Motorlebensdauer und müssen nicht nach festen Intervallen gewechselt werden[3].
Der OM 651 – der Standard-Vierzylinderdiesel in C-Klasse, E-Klasse und Sprinter – arbeitet mit einer Steuerkette an der Motorhinterseite[4]. Dieses Design ermöglicht höhere Drehzahlen und reduziert die Wartungskosten langfristig. Beim Nachfolger OM 654 blieb Mercedes diesem Prinzip treu.
Aber hier ist die Sache: In den 2010er Jahren brauchte Mercedes günstige Einstiegsmotoren für A-Klasse und B-Klasse. Die hauseigenen Diesel waren zu teuer für das Kompaktsegment. Also griff man auf Renault-Aggregate zurück – und die kommen traditionell mit Zahnriemen[2].
Die folgende Tabelle zeigt alle Mercedes-Baureihen mit Zahnriemenmotor. Spoiler: Es sind nur die Kompaktmodelle mit dem Renault-Diesel[1].
| Baureihe | Modell | Motor | Hubraum | Leistung | Baujahre |
|---|---|---|---|---|---|
| A-Klasse W176 | A 160 CDI | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 90 PS | 2013–2018 |
| A-Klasse W176 | A 180 CDI | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 109 PS | 2013–2018[5] |
| B-Klasse W246 | B 160 CDI | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 90 PS | 2013–2018 |
| B-Klasse W246 | B 180 CDI | OM 607 (K9K) | 1.461 ccm | 109 PS | 2013–2018[6] |
Achtung bei der Modellbezeichnung: Der A 180 CDI (Baujahr 2013-2018) hat Zahnriemen. Der ältere A 180 CDI aus der W169-Baureihe (2004-2012) hatte hingegen eine Steuerkette[7]. Das „d" am Ende (A 180d) weist ebenfalls auf den Renault-Motor mit Zahnriemen hin[2].
Der OM 607 ist technisch ein Renault K9K mit Mercedes-Bezeichnung[1]. Dieses 1,5-Liter-Aggregat läuft auch im Renault Clio, Nissan Qashqai und Dacia Duster. Bei Mercedes bekam er nur eine neue Motorabdeckung und eine andere Softwareabstimmung.
Während meiner Zeit in der Werkstatt habe ich beide Varianten gesehen: Den OM 607 im A 180 CDI und den identischen K9K im Renault Captur. Die Ersatzteile? Komplett austauschbar[5]. Das ist praktisch für den Geldbeutel – Renault-Teile kosten oft weniger als Mercedes-Originalteile.
Was das für Dich bedeutet: Falls Du einen A 180 CDI oder B 180 CDI fährst, musst Du den Zahnriemen regelmäßig wechseln lassen. Das unterscheidet diese Modelle fundamental von allen anderen Mercedes[3].
Mercedes gibt für den OM 607 ein Wechselintervall von 120.000 Kilometern oder 10 Jahren an – je nachdem, was zuerst eintritt[8]. Das ist großzügiger als bei vielen anderen Zahnriemenmotoren, liegt aber im Rahmen moderner Riementechnologie[9].
| Intervall | Wert |
|---|---|
| Kilometer | 120.000 km |
| Zeit | 10 Jahre (spätestens) |
| Empfehlung Gebrauchtwagen | Sofort prüfen lassen[8] |
Hier ist, was das Datenblatt Dir nicht verrät: Bei Kurzstreckenfahrern altert der Zahnriemen schneller. Die ständigen Temperaturwechsel stressen das Gummi mehr als gleichmäßige Autobahnfahrten[9]. Wer seinen A 180 CDI nur für den Stadtverkehr nutzt, sollte eher nach 8 Jahren wechseln lassen – auch wenn die Kilometer noch nicht erreicht sind.
Der Zahnriemenwechsel bei A-Klasse und B-Klasse mit OM 607 ist vergleichsweise günstig – zumindest für Mercedes-Verhältnisse[10].
| Position | Kosten |
|---|---|
| Zahnriemensatz (Riemen + Spannrolle + Umlenkrolle) | 80–150 € |
| Wasserpumpe (Wechsel empfohlen) | 50–100 € |
| Arbeitszeit (ca. 3–4 Stunden) | 250–350 € |
| Gesamt | 400–650 €[10] |
In einer freien Werkstatt liegen die Kosten am unteren Ende. Bei Mercedes direkt eher am oberen. Der Unterschied zur Steuerkette? Ein Kettenwechsel beim OM 651 kostet schnell das Doppelte – ist aber nur bei defektem Kettenspanner nötig, nicht nach Intervall[3].
Mein Tipp: Lass beim Zahnriemenwechsel immer die Wasserpumpe mittauschen. Die sitzt direkt hinter dem Riemen, und der Arbeitsaufwand ist fast identisch[9]. Eine defekte Wasserpumpe bei 150.000 km würde sonst den kompletten Aufwand nochmal erfordern.
Alle anderen. Und das ist eine lange Liste[4].
| Motorbezeichnung | Hubraum | Modelle | Baujahre |
|---|---|---|---|
| OM 651 | 2.143 ccm | C 200 CDI, C 220 CDI, E 200 CDI, E 220 CDI, Sprinter | 2008–2019[4] |
| OM 654 | 1.597–1.950 ccm | C 200d, C 220d, E 200d, E 220d, GLC 200d | 2016–heute[11] |
| OM 642 | 2.987 ccm | C 320 CDI, E 320 CDI, ML 320 CDI, S 350d | 2005–heute |
| OM 656 | 2.925 ccm | E 400d, GLE 400d, S 400d | 2017–heute |
Der OM 651 ist besonders interessant: Die Steuerkette sitzt nicht vorne am Motor, sondern hinten – an der Getriebeseite[4]. Das reduziert Geräusche und macht das Steuergehäuse kompakter. Aber ein Kettenwechsel wird dadurch deutlich aufwändiger.
Sämtliche Benzinmotoren der letzten 20 Jahre nutzen Steuerketten[12]. Das gilt für die M274-Vierzylinder in der C-Klasse genauso wie für die M276-Sechszylinder in E- und S-Klasse. Auch die alten W169-Motoren in der A-Klasse (2004–2012) hatten bereits Steuerketten.
Zwei einfache Wege führen zur Antwort:
Methode 1: Motorcode prüfen
Im Fahrzeugschein steht unter Feld P.3 die Leistung und unter D.2 die Motorbezeichnung. Siehst Du „OM 607" oder „K9K", hast Du einen Zahnriemenmotor[5]. Bei „OM 651", „OM 654" oder „M274" ist es eine Steuerkette.
Methode 2: Modellbezeichnung
Nur A 160 CDI, A 180 CDI/A 180d (W176), B 160 CDI und B 180 CDI/B 180d (W246) haben Zahnriemen[1]. Alle anderen Mercedes-Modelle nutzen Steuerketten – unabhängig vom verbauten Getriebe.
Was viele nicht wissen: Selbst innerhalb derselben Baureihe kann es Unterschiede geben. Der A 200 CDI (W176) hat den stärkeren OM 651 mit Steuerkette, während der schwächere A 180 CDI den OM 607 mit Zahnriemen nutzt[2].
Beim OM 607 handelt es sich um einen sogenannten Interferenzmotor[9]. Das bedeutet: Kolben und Ventile teilen sich denselben Raum im Brennraum. Reißt der Zahnriemen, treffen Kolben auf Ventile – mit katastrophalen Folgen.
Die typischen Schäden: Verbogene oder abgerissene Ventile, beschädigte Kolbenböden, möglicherweise sogar Risse im Zylinderkopf[9]. Die Reparaturkosten übersteigen schnell den Zeitwert eines älteren A 180 CDI.
Und ehrlich gesagt? Das ist der größte Nachteil der Zahnriemenmodelle gegenüber den Kettenvarianten. Eine gelengte Steuerkette kündigt sich durch Rasseln beim Kaltstart an. Ein verschlissener Zahnriemen gibt oft keinen Warnton – und reißt einfach[3].
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